Vitiforst am Roten Hang

Landwirtschaft als Teil der Lösung

Am Roten Hang in Nierstein hat das Weingut Schätzel vor einem Jahr einen neuen Weg eingeschlagen. Mit der Anlage einer Vitiforst-Fläche wurden 250 junge Bäume gezielt zwischen die Reben gepflanzt – mitten in einer der bekanntesten Weinlagen Rheinhessens.
Ausgangspunkt war die Frage, wie Weinbau unter zunehmend heißen und trockenen Bedingungen langfristig möglich bleibt. Für Kai Schätzel und Juliane Eichblatt war schnell klar: kurzfristige technische Lösungen greifen zu kurz. Stattdessen verstehen sie Landwirtschaft als Teil eines lebendigen Systems – mit Böden, Pflanzen, Tieren und Menschen, die miteinander verbunden sind.

Vitiforst: Reben und Bäume im gemeinsamen System

Vitiforst ist eine Form des Agroforsts im Weinbau. Reben und Bäume wachsen gemeinsam auf einer Fläche und übernehmen dabei unterschiedliche Funktionen. Bäume spenden Schatten, brechen den Wind, verbessern den Wasserhaushalt und fördern die Biodiversität. Gleichzeitig tragen sie zur langfristigen Kohlenstoffbindung im Boden bei und stärken das gesamte Mikroklima im Weinberg.
Die Planung und Umsetzung der Anlage erfolgte gemeinsam mit Triebwerk, einer spezialisierten Beratung für Agroforst und Vitiforst. Triebwerk entwickelte das Pflanzkonzept, wählte standortangepasste Baumarten aus und begleitete die Pflanzung fachlich vor Ort.

Regeneration beginnt im Boden

Klimafarmer unterstützte die Pflanzung mit gezielten regenerativen Maßnahmen. Zum Einsatz kamen Pflanzenkohle zur Verbesserung der Wasser- und Nährstoffspeicherung, Wurmhumus zur Aktivierung des Bodenlebens sowie Mykorrhiza zur Förderung der Wurzelentwicklung. Die Pflanzscheiben wurden mit Miscanthus abgedeckt, um Verdunstung zu reduzieren, den Boden zu schützen und organische Substanz ins System einzubringen.
Diese Kombination schafft stabile Startbedingungen für die jungen Bäume und stärkt den Boden als zentrales Element eines regenerativen Weinbaus.

Kommune3000

Das Projekt ist Teil der Aktivitäten der Kommune3000. Ihr Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen Landwirtschaft, Klimaschutz und Gemeinschaft zusammenwirken. Im Mittelpunkt stehen lebendige Böden, neue Lebensräume für Tiere und eine Landwirtschaft, die Menschen wieder stärker mit ihrer Umwelt verbindet.
Vitiforst am Roten Hang zeigt exemplarisch, wie dieser Ansatz praktisch umgesetzt werden kann – nicht als isoliertes Projekt, sondern als Teil eines größeren Ganzen.

Ein Jahr später

Ein Jahr nach der Pflanzung sind die meisten Bäume gut angewachsen. Einzelne Ausfälle werden mit Reservebäumen der eigenen Baumschule ersetzt. Die Anlage beginnt, sich zu entwickeln – sichtbar langsam, aber nachhaltig. Die großen Effekte werden sich erst über die kommenden Jahre entfalten.
Vitiforst ist kein schneller Eingriff, sondern eine langfristige Entscheidung. Für resiliente Kulturlandschaften. Für Tiere. Für Menschen. Für eine Landwirtschaft, die Verantwortung übernimmt.

www.kommune3000.de
www.schaetzel.de
www.triebwerk-landwirtschaft.de